Festivalbericht: Reload Festival 2017

Das Sulinger Reload Festival gehört mittlerweile zum festen Bestandteil vieler Musikfans aus den verschiedensten Musikrichtungen. Die Fans kommen aus dem gesamten Bundesgebiet, aber auch weither gereiste Fans tummeln sich auf dem Gelände. So kam ein weiblicher Fan extra aus Panama nach Sulingen, um sich ihre Lieblingsband Trivium anzusehen.

Den Anfang machte aber die Warm-Up-Night auf dem Battlefield am Donnerstagabend. Auf der Tent-Stage, vor dem Haupteingang, eröffneten As we Arise den Abend, und die fünf Musiker brachten das Zelt in kürzester Zeit zum Kochen. Mit ihrem brachialen Sound begeisterten sie die Fans sofort. Moshpits bildeten sich im Zelt, und die Stimmung war am Siedepunkt angekommen.
Ein leichtes Spiel für die weiteren Bands, wie First Blood oder den Rogers. Sie konnten das Publikum weiterhin mitreißen und übergaben die feiernde Meute weiter an While She Sleeps.
While She Sleeps“ präsentierten sich mit ihrem Double-Bass und gigantischen Gitarren-Solos den 700 Fans im Zelt. Draußen bildeten sich um das gesamte Zelt Massen, die alle gerne noch rein gewollt hätten. Mit solch einem Ansturm konnte man nun wirklich nicht rechnen. Erschöpft und glücklich gingen die Fans nach dem Schlussakkord zu ihren Zeltplätzen und stärkten sich für den offiziellen Teil des Wochenendes.

Mit viel Liebe wird das Outoor-Festivals bereits zum elften Mal veranstaltet: Die Bands werden mit Bedacht ausgewählt, es gibt Verkaufsstände mit Merchandising, Vinyl und Raritäten, genauso wie selbst gemachte Pommes oder Eis mit Alkohol in den verschiedensten Geschmacksrichtungen. Sehr gefragt sind natürlich die Festival-Shirts. Und rein musikalisch ist immer etwas dabei, auch wenn man nicht alle Bands im Vorfeld kennt.

Dem einen oder anderen Besucher zog es schon am Freitagmorgen in das nahegelegene Freibad, das mit einem Reload-Frühstück bei vergünstigtem Eintritt aufwartete. Es gab zwei leckere Mettbrötchen mit Zwiebeln und Kaffee soviel man wollte. Und das für unschlagbare 4,90€. Es war viel los im Bad. Die mit zwei Sprungtürmen und einer Wellenrutsche ausgestattete Anlage wurde bis Sonntagmittag gerne genutzt. Hohen Besuch aus Wacken bekam man auch.
Harry Metal, vielen Besuchern bekannt, interviewte und filmte die Crowd des Reload Festival. Die Filme kann man auf seinem YouTube-Channel anschauen. Hier sieht man schön, dass Festivals auch miteinander und nicht gegeneinander arbeiten können!

Max Raptor durfte dann den Freitag eröffnen, was schon viele Fans vor die Bühne zog — sehr erfreulich. Gefolgt von den The New Roses.
The New Roses gehören zu den besten und erfolgreichsten neuen Hardrock-Bands aus Deutschland, und dies zurecht. Die Band spielt sich seit Jahren den Arsch ab und hat seit dem Auftritt beim Champions League-Finale in Berlin 2015, einen hohen Stellenwert bei vielen Fans. Mit ihren Einflüssen aus Country und purem Rock´N´Roll, sind sie einzigartig in diesem Genre hierzulande.
Auf dem Reload präsentierten sie einige Songs aus ihren neuen Langspieler „One More For The Road“ (siehe auch unser Review). Selbst Fans mit Shirts von Heaven Shall Burn erwischte man beim Fußwippen bei dem Track „Every Wild Heart“. Einer der Tracks, der einfach Spaß macht und widerspiegelt, wie schwer es eine Band haben kann in diesem Business.

Nach einer kurzen Umbaupause ging es Schlag auf Schlag weiter, mit Bands wie Mr. Irish Bastard, Any Given Day, August Burns Red, Anti-Flag (die immer mit starken Botschaften und dem direkten Gang in die Menge begnadeten Politpunker), Terror sowie Life of Agony.

Skindred, eine vierköpfige Band aus Newport, machte vor allem durch ihren Sänger Benji Webbe auf sich aufmerksam. Mit einem Mix aus Reggae, Metal, Hip-Hop und auch Punk-Elementen zog er und die Band die Massen auf seine Seite.

Sichtlich voller wurde es dann vor der 1998 gegründeten Metalcore Band Bullet For My Valentine. Den Abschluss des ersten Festivaltages machten keine geringeren als die Thüringer Heaven Shall Burn. Es sollte ein wahrer Regen aus Konfetti und Feuer werden. Keine Ahnung wie es Marcus Bischoff immer wieder schafft, seine Stimmbänder derart zu strapazieren. Der Circlepit-begeisterten Menge war dies jedoch egal, und so wurde beim letzten Festival-Auftritt von HSB in diesem Jahr noch mal alles umkreist was es zu umkreisen gab.

Am Festival Samstag weckte ein strahlend blauer Himmel die Festivalbesucher, und nach dem Frühstück ging es für die Fans direkt zur Hauptbühne.
Of Colurs aus Frankfurt eröffneten den Tag. Sie waren die Gewinner des Bandcontestes und überraschten mit einer stimmgewaltigen Frontfrau und einer Band, der man ihre Spielfreude sofort anmerkte. Das Debütalbum der fünfköpfigen Band wurde damals mit Kristian Kohlmannslehner, der schon mit Powerwolf oder auch Hämatom zusammengearbeitet hat, produziert. Von dieser Band wird man hoffentlich in Zukunft noch mehr zu hören bekommen.
Mit den Metalcore-Heros aus England ging es weiter im Programm. Bury Tommorow gaben sich die Ehre, und vor allem die weiblichen Fans waren nun auch zahlreich vor der Bühne erschienen. Die Band aus Southampton pflügten mal eben das Gelände um. Jason und Dani hatten das Publikum von Anfang an in ihren Bann gezogen und ließen es bis zum Schlussakkord auch nicht mehr los.

 

Mit Massendefekt kam nun eine sympathische deutschsprachige Rockband auf die Bühne. Ihre Musik, die man im Punk&Roll einordnen kann, präsentierten Songs aus ihrem aktuellen Album „Echos“, aber auch ältere Stücke standen auf der Setlist, zumal die Band schon auf eine stolze 15-jährige Band Historie zurückblicken kann.  Die Texte sprechen ein breites Publikum an, da man sich unpolitisch an die Texte heranwagt. Die Band, die schon im Vorprogramm von AC/DC gespielt hat, konnte auch an diesem Tag einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Weiter ging es mit Whitechapel, sowie Knorkator aus Berlin, wo auch die Fotografen kurz auf die Bühne durften, um sie dann doch bitte gleich wieder zu verlassen. 😉

 

Bei Caliban hingegen sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Mit Caliban am Samstag und Heaven Shall Burn am Freitag, hatte man die Metalcore Bands schlechthin verpflichtet. Die Setlist wurde sorgfältig ausgesucht bei einer kurzen Spielzeit von 45 Minuten. Die Band hatte alles dabei, was einen eingefleischten Caliban-Fan durchdrehen ließ. Besonders mit „Walk Alone“, einer zehnminütigen Vollgas-Garantie, wo allen Bandmitglieder nochmal alles abverlangt wurde. Man bekommt immer wieder das Gefühl, dass bei diesem Song jedes Bandmitglied sich mal vorstellen darf. Gigantisch!

Der Frontmann fragte das Publikum, ob sie beim nächsten Song lieber hüpfen oder rudern wollten… das Publikum erwiderte dies mit: „RUDERN!“ Vor der Bühne bildete sich ein Meer aus rudernden Fans, die sich die „Auszeit“ gönnten, kurz bevor es mit „We Are The Many“ nochmal in die Vollen ging und man bestimmt noch im Nachbarort hörte. So setzten sie einen Schlusspunkt unter einen gelungenen Extrem-Abend.

19:40 Uhr betraten dann die fünf Rheinberger von Betontod die Bühne, um unter anderem ihr Erfolgsalbum „Revolution“ zu performen. Leider musste das Set im dritten Song unterbrochen werden, da sich ein Fan verletzt hatte und von den Sanitätern rausgetragen wurde. Gute Besserung auch von unserer Seite nochmal! Mit etwas Verspätung ging es dann mit Vollgas weiter.

Auch dem Hatebreed-Frontmann Jamey Jasta gefiel es im letzten Jahr auf dem Reload so gut, dass er es sich nicht nehmen ließ, dieses Jahr mit seiner gleichnamigen Band „Jasta“ das Battlefield zu erobern.
Als dann „Run To The Hills“ aus den Boxen dröhnte, wusste man welche Stunde geschlagen hat. Nein, nicht Iron Maiden (wäre bestimmt auch mal ein Wunsch des Festivals), sondern Trivium luden ein, und zum Intro gab es reichlich Mitsänger/innen.

 

Gebührend vorgewärmt reagiert das Publikum dann auch augenblicklich euphorisch, als Trivium die Bühne betraten und gleich auf Höchstleistung waren. Bierbecher, die auf Tischen standen vibrierten und tanzen fröhlich umher, so druckvoll hämmerten die Bässe aus den Boxen. Die so resonante Stimme von Sänger Matt Heafy war geölt bis in den letzten Winkel. Die Interaktionen mit dem Publikum hat Matt einfach drauf. Immer wieder forderte er das Publikum auf, mitzumachen. Nicht, dass man denkt, das Publikum wäre träge gewesen. Ganz im Gegenteil! Er holte das letzte aus den Fans heraus und lieferte dafür mit seiner Band ein erstklassiges Konzert ab. Mit „In Waves“ wurden die Fans, die textsicher mitgesungen haben, verabschiedet, und es ging über zu dem absoluten Headliner des Festivals: Amon Amarth.

Dank der guten, aus über 260 ehrenamtlichen Helfern bestehende Crew des Reload Festival konnte man die Bühne für Amon Amarth, die in der Tiefe sich nochmal verändert hat, unauffällig aufbauen.
Amon Amarth hatten alles dabei was sich der Fan wünschte. Es wurden Schlachten ausgefochten auf der Bühne, und auch ein weiterer Drache wurde von Johan zerlegt. Die Band machte auch auf dem Reload Fetival nicht halt, ihren Raubzug fortzusetzen. Denn davon handeln die Texte aus ihrem aktuellem Album „Jomsviking“, das zurecht Platz 1 in den Album-Charts erreichte.

Amon Amarth fordern nun schon seit 15 Jahren ihr Gefolge auf zu kämpfen, zu plündern und die Hörner zu erheben. Mit „Twilight Of The Thunder God“ hatte man das absolute Highlight natürlich auch im Programm. Showmäßig gelang hier tatsächlich noch eine Steigerung. Mit Blitz und Donner eingeläutet, kämpfte Johan mit seinem riesigen Thor-Hammer erfolgreich gegen einen Drachen auf der Bühne.
Mit einem Funkenregen ging die erfolgreiche Schlacht zu Ende, und so mancher Fan wird noch nachts in seinem Schlafsack gegrölt haben: „Raise your horns! Raise them up to the sky… We will drink to glory tonight!

Glückwunsch an die Veranstalter für ein erfolgreiches, friedliches Reload Festival 2017! Das Reload Festival 2018 kann also kommen: See you on the Battlefield – 24. – 25. August 2018! Limitierte Early Bird-Tickets für 79 € (inkl. Gebühren und Camping) sind ab jetzt auf Eventim.de erhältlich.

Fotos: Tilo Klein,
Bericht: Guido Wegener, Tilo Klein.

 

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