Loreena McKennitt – „Lost Souls“
17.07.2019 ZMF, Freiburg

Es passiert wahrlich nicht alle Tage, dass uns Musiker wie Loreena McKennitt im badischen Ländle einen Besuch abstatten. Zuletzt war die Kanadierin 2012 “open air” bei Regen auf dem Lörracher Marktplatz zu erleben. Nun hat sie am vergangenen Mittwochabend, so ziemlich zum Ende ihres diesjährigen “Lost Souls”-Tourplans in Deutschland, mit einem Konzert im trockenen Zirkuszelt die reguläre Spielzeit (am Montag gab es ja schon ein Pre-Opening mit Kamasi Washington) des Zelt Musik Festivals eröffnet. Trotz der für ZMF-Verhältnisse beachtlichen Preise von rund 80€ (je nach Kategorie etwas darunter oder etwas darüber), ließen sich über 2200 Besucher diese Gelegenheit nicht entgehen — das bestuhlte Zirkuszelt war daher nahezu ausverkauft.

Nachdem Festivalgründer Alexander Heisler die Festivalspielzeit pünktlich um 20 Uhr nun offiziell eröffnet hatte, verteilten sich Loreena McKennitt und ihre Band auf der Zeltbühne und setzten zu den ersten drei Songs an, bei denen McKennitt gleich ihre instrumentale Variabilität zeigen konnte:
Während sie zu “The Mystic’s Dream”, vom weißen Spot von der sonst in rot getauchten Bühne hervorgehoben, am Keyboard stand, tänzelte sie zum irischen Traditional “A Star of the County Down” mit dem Bandoneon zwischen den Armen, bevor sie sich für “Bonny Portmore” an die Harfe setzte. Dort plauderte sie erst ein bisschen und erzählte, dass sie übrigens sehr wohl schon einmal im schönen Freiburg zu Gast war — wenn auch (leider) nicht im Rahmen ihrer musikalischen Termine.

Das Publikum war an diesem Abend bunt gemischt — hier und da hörte man auch englischsprachige Gäste. Nur vereinzelte jüngere Konzertbesucher haben zum flotten Rhythmus von “Santiago” dann doch mal im Gang getanzt. Das Durchschnittsalter war allerdings doch etwas höher als vermutet, so dass die (etwas enge) Bestuhlung und die in diesem Jahr neue Zelt-Klimatisierung natürlich umso besser ankamen.
Jeder zweite fand auf seinem Stuhl übrigens einen Tour-Flyer vor, der dann auch den nicht so versierten McKennitt-Zuhörern erklärte, wie die anderen Musiker auf der Bühne hießen: Allen voran der Gitarrist Brian Hughes, die Cellistin Caroline Lavelle und der Violinist Hugh Marsh — diese drei sind schon lange Jahre dabei und genießen dementsprechend auch die meisten Sympathien beim Publikum. Vor allem Hugh Marsh, der immer wieder virtuose Momente an seinem Instrument bietet (zum Beispiel bei “Santiago” oder “The Bonny Swans”) und dafür auch Szenenapplaus erntet und mit Brian Hughes immer wieder die Songthemen im Wechsel spielt.
Vervollständigt wird das Aufgebot dann durch den Bassisten Dudley Philips, der mal E-Bass spielt und mal einen Kontrabass zupft und streicht, und den Schlagzeuger Robert Brian. Allesamt jedenfalls begnadete Musiker, die im übrigen auch jeweils ihre eigenen Solo-Karrieren haben und auch bei anderen Kollaborationen zu hören sind. Lavelle beispielsweise ist selbst Singer/Songwriterin und bei Produktionen von Massive Attack, Muse, The Cranberries, Tarja Turunen und vielen mehr mit von der Partie gewesen.

Ansagen zwischen den Songs gab es eher seltener. Im Gegensatz zu manch anderem Tourtermin sollte dieser schließlich in einem Stück, ohne Halbzeitpause, durchgespielt werden. Einmal erzählte McKennitt aber, dass sie nicht, wie viele denken, in Irland aufgewachsen ist und erst im jungen Erwachsenenalter mit guter traditioneller Musik aus Irland in Berührung gekommen ist. Auch wurde erklärt, dass dem Song “Ages Past, Ages Hence”, der zwar vom aktuellen Album stammt, aber schon vor langer Zeit entstanden ist, ein Glauben früherer Völker zugrunde liegt — dass die Seelen der Vorfahren nämlich in Bäumen weiter leben.
Wie das aktuelle Album (von 2018) heißt auch die Tour “Lost Souls”, und rund die Hälfte der Songs wurde an diesem Abend auch gespielt. Der Fokus der Setlist (siehe unten) lag dennoch klar auf den beiden Erfolgsalben “The Visit” (4-fach Platin in Kanada) und “The Mask and Mirror” (3-fach Platin in Kanada). Selbst das hierzulande erfolgreichste Studioalbum “The Book of Secrets” (Gold) wurde nur mit zwei Songs berücksichtigt. Mit den Zugaben “Tango to Evora” und “Dante’s Prayer” endete das Konzert nach rund zwei Stunden, und die Musiker wurden mit stehenden Ovationen belohnt.

Thessaloniki, Athen, Izmir, Ankara, Istanbul, Valencia, Murcia, Granada, Florenz, Mailand, und so weiter… Der Plan für die “Lost Souls”-Tour durch Europa hatte neben dem Termin in Freiburg nur vier weitere Halts in deutschen Städten (Abenberg, München, Berlin und Mainz) vorgesehen. Alleine deshalb dürfen sich alle glücklich schätzen, die dabei waren. Aber natürlich war das auch zum Genießen: Perfekt gespielt und gesungen, ein makelloser Klang, und auch die für den einen oder anderen vielleicht zunächst etwas befremdliche Bitte der Künstlerin, auf Smartphone-Aufnahmen zu verzichten und während der Songs nicht durch den Gang zu laufen, trug am Ende natürlich zum ungestörten und absolut runden Erlebnis bei.

Setlist:

  1. The Mystic’s Dream (“The Mask and Mirror”, 1994)
  2. The Star of the County Down (“The Wind that Shakes the Barley”, 2010)
  3. Bonny Portmore (“The Visit”, 1991)
  4. Marrakesh Night Market (“The Mask and Mirror”, 1994)
  5. Ages Past, Ages Hence (“Lost Souls”, 2018)
  6. Marco Polo (“The Book of Secrets”, 1997)
  7. Spanish Guitars and Night Plazas (“Lost Souls”, 2018)
  8. All Souls Night (“The Visit”, 1991)
  9. A Hundred Wishes (“Lost Souls”, 2018)
  10. The Bonny Swans (“The Mask and Mirror”, 1994)
  11. Full Circle (“The Mask and Mirror”, 1994)
  12. The Gates of Istanbul (“An Ancient Muse”, 2006)
  13. Santiago (“The Mask and Mirror”, 1994)
  14. The Dark Night of the Soul (“The Mask and Mirror”, 1994)
  15. Manx Ayre (“Lost Souls”, 2018)
  16. The Lady of Shalott (“The Visit”, 1991)
  17. The Old Ways (“The Visit”, 1991)
  18. Lost Souls (“Lost Souls”, 2018)
  19. Zugabe: Tango to Evora (“The Visit”, 1991)
  20. Zugabe: Dante’s Prayer (“The Book of Secrets”, 1997)

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Gerald

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Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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