Konzertbericht/Fotos: Maceo Parker
04.11.2018 Jazzhaus, Freiburg

Maceo Parker kommt, von seiner Managerin angekündigt, mit kleinen unbeholfenen Schrittchen auf die Bühne – mit 75 Jahren dann doch der körperliche Abbau? Von wegen, alles nur Show: Zwar deutlich abgenommen, bleibt Maceo Parker aber ein absolutes musikalisches Schwergewicht, was er in der folgenden, 2¼ Stunden dauernden Show unter Beweis stellt.

Gesanglich, spielerisch mit seinem Altsaxophon und Querflöte und konditionell als Bandleader, spult er das Programm auf höchstem Level souverän ab. Bis auf die junge Schlagzeugerin, kommt Maceo Parker mit seiner bekannten Formation und legt auch gleich äußerst routiniert und kraftvoll los. Eine Setliste sucht man vergeblich am Bühnenboden, denn Maceo Parker ist eigentlich ständig On Tour und die Band hörbar eingespielt: Die treibenden Drum-Grooves und pointierten Akzente im Off-Beat kommen sehr entspannt und doch knallhart von der ganzen Band auf den Punkt gespielt.
Faszinierend auch, wie die ganze Band dynamisch an mehreren Stellen die Lautstärke gleichmäßig zurückfährt, ohne dabei irgendwelche Regler zu benötigen, sondern einfach das leise Spielen exzellent beherrscht. Dann hat Maceo Platz, um seine Geschichten zu erzählen und den Entertainer zu geben: So stellt er klar, wer in der Band das Sagen hat, denn „er ist hier schließlich der Älteste“. Auch so spürt man, dass Maceo Parker viel an der Performance liegt und nichts in der Show dem Zufall überlassen bleibt – selbst sein ordentlich gefaltetes Seidentüchlein wird regelmäßig in der Brusttasche seines maßgeschneiderten Anzugs zurechtgezupft – eben alles unter Kontrolle, nicht nur die Band!

„It´s All About Love“ heißt sein aktuelles Album mit sieben Songs, die mit der WDR-Big Band Cologne eingespielt wurden. Bis auf das Motto und ein bis zwei Songs im Konzert greift Maceo aber ausschließlich auf altes Material zurück. „2% Jazz and 98% Funk-Stuff“, wie Maceo selbst immer vorgibt, sind es dann aber doch nicht ganz. In zwei Phasen des Konzertes wird es auch mal deutlich ruhiger und es werden die Balladen ausgepackt. Das ist aber eigentlich ein sehr angenehmer Spannungsbogen und lässt das Konzert kurzweilig bleiben, sind doch die schnelleren Funknummern zu sehr im gleichen Beat. Nach einer Hommage an Marvin Gaye stimmt Maceo dann in Sachen „Love“ mit dem Publikum ins gemeinsame Singen ein — „We Love You“ im Wechselspiel mit dem Publikum und für Maceo selbst scheinbar teilweise spontan variantenreich phrasiert.
Als Zugabe dann noch seine Hymne „Pass The Peas“, nochmal ergänzt mit etwas „Liebe“ und die Message kommt an: Alle im ausverkauften Jazzhaus sind glücklich und beseelt und nach 135 Minuten Mitwippen und Tanzen auch erschöpft. Wieder einmal ein überzeugender Auftritt des alten Funkmeisters. Mal sehen wann wir Maceo wieder erleben dürfen…

Über den Autor des Beitrags

Tilo Fierravanti

Schlagzeuger mit zwei eigenen Bands, ist in vielen Musikrichtungen zuhause, vor allem aber in Sachen musikalischer Nachwuchsförderung im Raum Freiburg unterwegs und immer wieder auch in Jurys tätig (u.a. Play Live / Rampe).

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