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Pixies und Christin Nichols | Zelt Musik Festival Freiburg 31.07.2022

Das bereits für 2020 angesetzte und dann aus Gründen verschobene Gastspiel der Pixies in Freiburg schwebte zwei Jahre wie ein Versprechen in einer Atmosphäre allgemeiner Ungewissheit. Mit dem Verlauf des ZMF 2022 wurde dieser Termin immer konkreter, und am letzten Festivaltag sollte die Indie-Rock-Institution aus Boston das gegebene Versprechen nun endlich einlösen: Die Pixies, erstmals in Freiburg.

Der Sonntag präsentierte sich gnädig was die Temperaturen anging, die unerträgliche Hitze fiel aus, und bei vielen Festivalbesuchern hatte man den Eindruck, sie wären direkt vom Badesee vor die Bühne des Zirkuszelts gewechselt. Luftige Sommerkleider, Bandshirt und Short, dazwischen aber auch die obligatorischen Polohemden und Schiebermützen. Lässig, chic und feierwütig also präsentierte sich das Freiburger Publikum. Optisch brachte der Abend Fans der ersten Stunde bis in die dritte Generation zusammen.

Bilder Christin Nichols:

Zunächst gehörte die Bühne allerdings der für diesen Job eigens angereisten Christin Nichols und ihren vier Mitstreitern. Mit gleich drei Gitarren und dem Refrain „Ich möchte, dass es Euch schlecht geht, so schlecht wie mir“ als klares Statement ging es druckvoll los. Das Jammern ist allerdings die Sache Nichols nicht. Vielmehr wird musikalisch die Faust gereckt und der Mittelfinger ausgefahren, gegen den alltäglichen Sexismus, die Selbstdarstellung in den sozialen Netzwerken und Bodyshaming, getreu dem Motto „Wir haben keine Selbstachtung, aber schöne Beine„. Zwischen deutschen und englischen Texten wechselnd, mal ruppig mit Gitarrenbreitseite, aber auch kühlem Postpunkbasslinien und wabernden Synthies nutzte die Deutsch-Britin mit einem eindrucksvollen Set die knappe halbe Stunde und machte sich in den noch lichten Reihen des Zirkuszelts doch einige neue Freunde.

Bilder Pixies:

Zu den Klängen von „Young and Joyful Bandit“ enterten Sänger Frank Black, Gitarrist Joey Santiago, Bassistin Paz Lenchantin und Drummer Dave Lovering die Bühne, und mit dem psychedelischen „Gouge Away“ wurde gleich ein Klassiker gezündet. Ein kurzer Stromausfall im ersten Song wurde locker weggesteckt, mit dynamischer Setlist und ohne aufwendige Visuals wurde unverdrossen weitergerockt, wie sich das für eine Live-Band gehört. Die aktuelle Single „There’s A Moon On“ wurde in Klassiker wie „Bone Machine“, Gigantic“, „Where Is My Mind“ und gleich zwei Versionen von „Wave Of Mutilation“ eingebettet. „Monkeys Gone To Heaven“ wurde dem gerade die altgedienten Songs feiernde Publikum verweigert, ebenso jegliche Interaktion und Zugabe, letzteres wohl aus Zeitgründen. Am nach der langen Konzertpause geradezu euphorischen Fanschar hat es nicht gelegen, die sichtlich Spaß auch an so selten gespielten Perlen wie dem Surf-Instrumental „Cecilia Ann“ hatte. Nach 90 intensiv-kantigen sowie für alle beteiligten schweißtreibenden Minuten blickte man aber in zumeist glückliche Gesichter. Dann eben beim nächsten Mal in Freiburg, vielleicht nicht wieder erst in 36 Jahren.

Text: Christian Dännart
Photos: Gerald Backmeister

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Chris

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