Konzertbericht/Fotos: Wishbone Ash
17.01.2019 Jazzhaus Freiburg

Drei Jahre ist es her, dass die britische Superband der 70er- und 80er-Jahre Wishbone Ash zu Gast im Freiburger Jazzhaus war – nicht zu verwechseln mit der Formation von Gründungsmitglied Martin Turner, der sich nach einem Rechtsstreit nur noch „Martin Turner´s Wishbone Ash“ nennen darf. Dennoch ist auch Andy Powell bei „Wishbone Ash“ einzig verbliebenes Gründungsmitglied.
Die letzte Studioproduktion „Blue Horizon“ erschien 2014 und war bereits das 26. (!) Album von Wishbone Ash, diverse Livealben nicht mitgezählt. „Blue Horizon“ wurde im Grunde mit der aktuellen Besetzung eingespielt, wobei Bob Skeat am Bass seit 1997 und Joe Crabtree am Schlagzeug immerhin schon seit zehn Jahren dabei sind. Lediglich zweiter Gitarrist Mark Abrahams wurde erst 2017 in die Band geholt und ersetzte Muddy Manninen.

Mit der aktuellen Tour feiern Wishbone Ash ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum und setzen gleich zu Konzertbeginn im fast ausverkauften Jazzhaus ein Ausrufezeichen: das Licht geht aus und die Musik an und zwar laut: Wishbone Ash kommen auf die Bühne und steigen ohne hörbaren Übergang live mitten in das Playback von „Real Guitars Have Wings“ ein – ein überzeugender wie auch ungewöhnlicher Konzertanfang.
Das ganze Konzert strotzt nur so vor eingespielter Routine und deckt in den folgenden 100 Minuten alle Schaffensepochen von Wishbone Ash ab. Tatsächlich umspannt die Setliste mit „Phoenix“ aus dem Erstlingswerk von 1970 bis hin zu „Deep Blues“ aus dem aktuellen Album insgesamt elf Studioalben. Doch nicht von ungefähr kommt im Jazzhaus das erste Mal so richtig Stimmung auf, als die alten Klassiker von dem Album Argus aus dem Jahr 1972 ausgepackt werden: Von „The King Will Come“ bis „Warrior“ sind allein von diesem legendären Erfolgsalbum fünf Songs vertreten. Apropos Stimmung: Andy Powell ist live als Frontmann ein gnadenlos genialer Gitarrist, aber in Sachen Unterhaltung eher Minimalist. Kaum ein Song wird angesagt, und überhaupt sind Ansprachen Mangelware. Das einzige Statement des Abends ist kurz, sorgt aber dennoch für großen Applaus: „No Brexit, no Trump, but good german beer“ spricht’s und stößt symbolisch mit dem Publikum an!

Aber die fehlenden Entertainmentqualitäten werden musikalisch kompensiert. Nach wie vor ist der für Wishbone Ash charakteristische Sound der zweistimmig gespielten Leadgitarren ein einmaliger musikalischer Hörgenuss, der nur funktioniert wenn diese absolut präzise gespielt und soundmäßig gut aufeinander abgestimmt sind – das klappt auch zwischen Andy Powell und Mark Abrahams hervorragend und wird nie langweilig.
Wishbone Ash überzeugen bei ihrem Auftritt im Jazzhaus mit einem gut gemischten Set und sprudelnder Spiellaune. Gut gemischt ist übrigens auch der sehr ausgewogene Sound durch den eigenen mitgebrachten Tontechniker an den Reglern. Wieder einmal ein solides Konzert von Wishbone Ash, welches allen Erwartungen der Fans gerecht wurde.

Über den Autor des Beitrags

Tilo Fierravanti

Schlagzeuger mit zwei eigenen Bands, ist in vielen Musikrichtungen zuhause, vor allem aber in Sachen musikalischer Nachwuchsförderung im Raum Freiburg unterwegs und immer wieder auch in Jurys tätig (u.a. Play Live / Rampe).

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