Delain – Hunters Moon (EP)

Was macht man als Band, wenn man im selben Jahr ein neues Album rausbringen möchte, aber man noch gigantisches Live-Material vom letzten Jahr hat? Ein reines Live-Album hat man auch vor kurzem erst rausgebracht, die Fans verlangen aber nach mehr? Das neue Material aufschieben? Schon wieder ein reines Live Album? Nur einen Teaser auf die neue Platte?

Fragen über Fragen, die sich die Niederländer von Delain stellen mussten. Herausgekommen ist eine kleine EP mit fettem Live-Bonus-Material, oder doch ein Live-Album mit neuen Tracks als Zugabe? Ich weiß es nicht, aber da die neuen Songs zuerst ins Vinyl gepresst sind, gehe ich von ersterem aus.

Vier neue Tracks wollen uns die Symphonic-Metaller rund um Keyboarder Martijn Westerholt und Frontfrau Charlotte Wessels präsentieren. Unterstützt werden sie, wie schon länger, von Otto Schimmelpenninck van der Oije am Bass sowie Timo Somers und Merel Bechtold an den Gitarren. Seit 2018 komplettiert Joey Marin de Boer hinter dem Drumkit das Aufgebot. „Hunters Moon“ nennen sie diese Extended-EP, nur eine Woche nach Tobias Sammets „Moonglow“ wird also schon wieder der Erdtrabant besungen. Oder doch nicht?

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Video zu „Masters of Destiny“

Den Einstieg bildet das Bombast-Symphonie-Werk „Masters of Destiny“. Nach einem ruhigen Intro kreischt Charlotte uns zu harten Riffs entgegen, das Orchester spielt mit voller Wucht auf. Ruhig gesungene Strophen wechseln mit dem brachialen Refrain und werden von komplexen Melodien umspielt. Vor dem inneren Auge läuft ein Film, der irgendwo zwischen Wäldern, verwachsenen Schlössern und machtvollen Kriegern spielt. Die Songstrukturen erinnern ein wenig an die letzten Werke von Nightwish-Keyboarder Tuomas Holupainen, ohne diesen aber in der Qualität nachzustehen.

Beim Titeltrack „Hunters Moon“ bedient man sich zuerst Elementen, die an Metalcore erinnern. Die Grunts wurden von MaYan-Frontmann George Oosthoek „eingesungen“. Im Wechselspiel mit der als sonst gewohnt, deutlich lieblicheren Stimme von Charlotte ergibt sich ein schöner Kontrast. Dumpfe Drums geben ordentlich Druck auf die Ohren, ansonsten ist der Song „typisch“ Delain. Traditionalisten kommen also auf jeden Fall auf ihre Kosten.

„This Silence is Mine“ stammt aus der Feder von Gitarrist Timo Sommers, welcher sich auch direkt mit einem ausschweifenden Solo bemerkbar macht. Das kann in kommenden Live-Shows gerne noch deutlich länger ausfallen. Generell dominieren hier die Gitarren, während sie von einem dem Doom-Metal zuzuordnenden Rhythmus getragen werden. Der Gesang umfasst auch nur wenige Zeilen, sodass schon fast von einem Instrumental-Song zu sprechen ist.

Etwas mehr Einsatz für die Frontfrau gibt es dann wieder bei „Art Kills“, für den sich Gitarristin Merel Bechtold verantwortlich zeigt. Ein düsterer Sound und harte Riffs bilden die Grundstimmung, in der sich Clean-Vocals von Charlotte und George mit seinen Grunts wieder abwechseln. Natürlich hat sich auch hier die Gitarristin ein ausschweifendes Solo reingeschrieben, welches dem Track eine saubere Vielschichtigkeit beschert.

Im Live-Teil des Albums, welcher im Tivoli Utrecht aufgenommen wurde, begegnen uns viele bekannte Songs wie „Danse Macabre“, „Sing to me“ oder „Scandal“. Oft wird hier auch vom alten Bekannten „Marco Hietala“ unterstützt, der die Band bereits seit 2006 immer wieder bei deń Vocals unterstützt.

Die Live-Performance von Delain ist gewohnt stark. Jeder, der die Band schon einmal live erleben konnte, weiß wie viel Spielfreude die Niederländer regelmäßig an den Tag legen und es verstehen das Publikum mitzureisen.

Mit „Hunter Moon“ macht Delain viel Vorfreude auf das noch in diesem Jahr erscheinende Album. Der Variantenreichtum wird immer größer, das Songwriting komplexer, die musikalische Bandbreite immer ausgefeilter. An die Spitze des Symphonic-Metals strebt ein neuer Stern, den mittlerweile nicht nur die Nationalität der Frontfrau mit den großen Vorbildern aus Finnland verbindet.

Die EP ist am 22.02. bei Nuclear Blast erschienen. Erhältlich als Doppel-Vinyl mit CD oder CD inkl. Live-BluRay.Viele weitere CD-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

Delain
Hunters Moon (EP)
(Nuclear Blast)

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Hört am liebsten Symphonic- sowie Powermetal, kann sich aber auch für Pagan und Metalcore begeistern. Wenn er gerade einmal nicht mit Achterbahnen spielt, ist die Kamera im Anschlag.

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