Paper Girls 01

Zusammen mit Zeichnerin Fiona Staples erspinnt Autor Brian K. Vaughan schon seit 2012 die an Phantasie und WTF?!-Momenten wohl kaum zu übertreffende, preisgekrönte Comic-Serie “Saga”. Nach dessen Einzelband “We Stand On Guard”, einem sicher guten, aber auch wesentlich weniger komplexen und ungleich ernsteren Alternative-History-Gedankenspiel, bringt der Ludwigsburger Verlag Cross Cult nun auch Vaughans neuesten Streich “Paper Girls”, eine Serie zwischen 80er-Retro, Coming-of-Age, Mystery, Fantasy und Science-Fiction, in die Regale der hiesigen Comic-Läden. Und auch diese Serie wurde bereits mit zwei Eisner-Awards (2016 für “Beste neue Serie” und für “Bester Vorzeichner/Tuscher”) prämiert…

© Cross Cult

Schauplatz der Geschichte ist Stony Stream, ein fiktiver Vorort von Cleveland, Ohio, und sie beginnt am 1. November 1988. George Bush bewirbt sich gerade als Nachfolger für den scheidenden US-Präsident Reagan, Guns’n’Roses gehen gerade mit Appetite durch die Decke und am anderen Ende der Staaten starten Public Enemy durch.
In einem Kinderzimmer klingelt der Wecker. Es ist noch vor fünf Uhr, viel zu früh eigentlich für eine Zwölfjährige. Aber Erin fängt an diesem Tag mit ihrem Job als Zeitungsausträgerin, als “Paper Girl”, an. Ein denkbar ungünstiger Tag für den Karrierestart, denn es ist der Morgen nach Halloween, und wie üblich lungern noch Halbstarke in gruseligen Verkleidungen auf den Straßen herum, Teenager, die sich gerne einen Spaß daraus machen, das Leben der Austräger zu erschweren.

Tatsächlich gerät Erin an einen Freddy Kruger und dessen Horror-Kumpels. Noch bevor der allerdings über grässliche Sprüche hinauskommt, kommen drei weitere Paper Girls in ähnlichem Alter dazu: Tiffany, K J und MacKenzie, genannt “Mac”. Letztere raucht Zigaretten, wirkt etwas burschikos, ist bei der Polizei bekannt, hat ein extrem lockeres Mundwerk und weißt “Freddy” schließlich in seine Grenzen.
Die drei Paper Girls nehmen “die Neue” recht schnell in ihren Reihen auf. Allerdings müssen sie auch schnell feststellen, dass das nicht die einzige Herausforderung des Tages bleiben soll. Plötzlich sind so gut wie alle Einwohner der Kleinstadt wie vom Erdboden verschluckt, geheimnisvolle, verunstaltete “Aliens” schleichen durch die Nachbarschaft und riesige Flugsaurier kreisen über dem Ort. Und die Mädchenbande findet sich mit einem Mal zwischen den Fronten eines Generationenkonfliktes, eines Kriegs zwischen Alter und Jugend, aus Zukunft und Vergangenheit wieder.

© Cross Cult

Ich bin dieses Jahr vierzig geworden und wollte darüber schreiben, wie es sich angefühlt hat, ein 12-jähriger Junge in den 80ern zu sein und auch darüber, ob Erwachsene ihrer Vergangenheit entkommen können.”, sagte Brian K. Vaughan im Interview mit Cross Cult. Noch kann man nur erahnen, wohin die Reise mit Zeitmaschinen-Pilot Vaughan gehen wird — und schließlich möchte ich auch nicht unnötig viel Vermutungen anstellen oder gar verraten. Schnell wird dagegen klar, dass man vertrauensvoll einsteigen darf. Zumal auch die Zeichnungen von Cliff Chiang und die Farben von Matt Wilson das Retro-Ding wunderbar komplettieren.

“Paper Girls 01” ist nicht ganz so durchgedreht wie “Saga”, und doch erinnert es daran. Was beide Titel auf jeden Fall gemein haben, ist die großartige Entwicklung der Charaktere und die äußerst geschickte Art, den Leser von der ersten Seite an in die Handlung eintauchen zu lassen. Die natürlich recht verschiedenen Protagonistinnen sind sofort sympathisch, und die Story — irgendwas zwischen Zurück in die Zukunft, Stargate und Jugend-Abenteuer à la The Goonies, Stand By Me oder dem recht aktuellen Stranger Things — wird zu keinem Zeitpunkt langweilig. Weit und breit kein Grund also, sich nicht wie ein Zwölfjähriger riesig auf den für Juli angekündigten zweiten Band zu freuen.

Eine Leseprobe mit ein paar Seiten findet ihr wie immer auf der Verlagsseite zum Buch bei Cross Cult.Viele weitere Comic-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

Paper Girls 01 - Tribe Online Magazin
Paper Girls 01
Brian K. Vaughan, Cliff Chiang
Hardcover, 144 Seiten
(Cross Cult)

Über den Autor des Beitrags

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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Über Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.[BR] Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.
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