Tremonti, Support: The New Roses
01.06.2016 im Jazzhaus Freiburg

Am vergangenen Mittwoch Abend besuchte die US-amerikanische Band Tremonti um Frontmann Mark Tremonti (bekannt auch als Gitarrist bei Alter Bridge und Creed) das Freiburger Jazzhaus. Es war nur eines von vier Club-Konzerten zum aktuellen Album “Dust” (hier unser Review) in Deutschland. Die Vorfreude war dementsprechend groß.

Die Freude bekam leider schon am Einlass einen ordentlichen Dämpfer, als mir gesagt wurde, dass das Management die ursprünglich erteilte Foto-Erlaubnis nun doch zurückgezogen hat. Die Aussicht auf einen Konzertabend, an dem praktisch alle um einen herum mit Smartphones oder sogar Kompaktknipsen munter fotografieren und filmen und einem selbst dagegen am Schluss ein paar Bilder für einen Konzertbericht fehlen, hebt die Stimmung nicht gerade.
Erfreulicherweise war es dann aber immerhin doch noch erlaubt, wenigstens die Vorband zu fotografieren, so dass der Bericht nicht ganz so staubtrocken daherkommen sollte.

Und die Vorband war zudem richtig gut! Das mir bis dato unbekannte Wiesbadener Quartett The New Roses, bestehend aus Frontmann Timmy Rough, Gitarrist Norman Bites, Bassist Hardy und Drummer Urban Berz, spielte ein gut halbstündiges Set aus ihren beiden bisherigen Alben. Äußerst überzeugender Rock zwischen Guns’n’Roses — die nichts mit dem Namen zu tun haben, wie Timmy nach dem Gig am Merch-Stand sagte… “wir wollten halt einen Rock-Band-Namen” — und Black Stone Cherry. Auf die hessische Herkunft ließ jedenfalls nichts schließen.


Galerie zur Vorband The New Roses (zum Vergrößern anklicken)

Als nach rund einer Dreiviertelstunde Umbau-Pause schließlich Mark Tremonti und seine Mannen auf die Bühne kamen, dürften schätzungsweise (erwähnte ich schonmal, dass ich schlecht im Schätzen bin?!) um die 300, 350 Leute im Gewölbekeller versammelt gewesen sein. Das Set wurde passenderweise mit dem Opener des aktuellen Albums “Dust” — und gleich mit einem Gewitter aus Double-Bass und Gitarren-Hämmern — gestartet. Darauf folgte das Titelstück des letztjährigen Albums “Cauterize”, das ja zusammen mit “Dust” aus demselben Entstehungsprozess stammt, insgesamt aber nicht ganz so hart klingt.

Tremonti-Jazzhaus-2016

Tremonti im Jazzhaus; gezeichnet lt. „Gedächtnisprotokoll“ :P

An diesem Abend klang allerdings nahezu alles verdammt hart — egal ob es nun Stücke von den neueren beiden Platten waren oder vom Debüt “All I Was”. Geschuldet war das, meine ich, der extremen Lautstärke und der Abmischung. Das Mikro wie auch die Gitarre von Mark waren zu leise, so dass der Gesang und die Soli im harten Dröhnen von Gitarre, Bass und Schlagzeug zu arg untergingen. Zudem gab es von den Mikros hier und da mal eine Rückkopplung. Der Sound sollte wohl alles und alle umpusten, war aber möglicherweise einfach too much für die Anlage oder die Räumlichkeit — da ich kein Tontechniker bin, bleiben das natürlich alles Mutmaßungen.
Leider geriet der melodiöse Anteil der Musik, der ja mit den markanten mehrstimmigen Gesängen durchaus ein wichtiger ist, dadurch stark in den Hintergrund und die ganze Bandbreite der großartigen Stücke ließ sich wohl nur als Tremonti-Fan erkennen.

Am Einsatz der Band lag es jedenfalls nicht. Vor allem der Drummer schien um sein Leben zu spielen, aber auch Mark verlangte seinen Stimmbändern alles ab. Umso verwunderter war ich, als sich die Band nach ca. anderthalb Stunden Programm ohne Zugabe von der Bühne machten. Das wiederum war wohl dem anschließenden Meet & Greet geschuldet — man kann eben nicht alles haben.
Wer sich am Merch-Stand ein Tremonti-Goodie gekauft hatte, bekam eines dieser grünen, reißfesten Papier-Armbändchen. Und das wiederum war sozusagen die Eintrittskarte zur Autogramm- und Handschüttel-Aktion, zu der sich die Band nach ein paar Minuten hinter der Absperrung zur Bühne eingefunden hatte und mit allen Fans noch kurz ein paar Wörtchen wechselte.

In der Zusammenfassung also: coole Vorband, Foto-Fiasko und eine eigentlich ganz gute Show von zwei wirklich tollen Bands (obwohl Tremonti schon auch etwas zu sehr routiniert wirkte). Leider aber eben, zumindest im Hauptteil, keinen Hörgenuss gehabt. Unter dem Strich etwas enttäuschend. Zumal die Erwartungen und die Vorfreude groß waren.

Setlist von Tremonti (lt. Bühnenzettel):
  1. My Last Mistake 1)
  2. Cauterize 2)
  3. You Waste Your Time 3)
  4. All I Was 3)
  5. Flying Monkeys 2)
  6. Catching Fire 1)
  1. So You’re Afraid 3)
  2. Radical Change 2)
  3. Betray Me 1)
  4. Things I’ve Seen 3)
  5. Once Dead 1)
  6. Brains 3)
  1. Dust 1)
  2. Arm Yourself 2)
  3. Decay 3)
  4. Sympathy 2)
  5. Another Heart 2)
  6. Wish You Well 3)
1) vom Album “Dust” • 2) vom Album “Cauterize” • 3) vom Album “All I Was”

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Gerald

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Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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7 Kommentare

  1. Du hast absolut Recht, ich fand es zu laut für den kleinen Keller und schlecht abgestimmt, eben extremes dröhnen. Ich hab sogar jetzt nach zwei Tagen immer noch nen Ton auf meinem Ohr. Ich habe Tremonti erst vor kurzem entdeckt, kannte die Lieder aber schon ganz gut und war so heiß drauf, dass ich das Konzert trotz des schlechten Klangs und dem Gehörschaden immer noch gut fand.
    Klasse Konzertbericht!

  2. Hier noch ein Fact, den ich eigentlich noch erwähnt haben wollte:
    Die hatten auf der Bühne doch tatsächlich fünf Gitarrenköffer mit insgesamt 20 Gitarren (vermutlich im Wert eines Mittelklassewagens…) darin stehen! oO Heftig, heftig…

    Jo, weiß… eher für die Rubrik „Trivia“… :)

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