The Inspector Cluzo – We The People Of The Soil

Ganze zehn Jahre liegt die Gründung der Band The Inspector Cluzo nun schon zurück. Und seit 2013 beackern sie nicht nur Konzert-Locations und Festivals weltweit, sondern rocken auch noch die lokale Landwirtschaft.
Laurent Lacrouts und Mathieu Jourdain leben das traditionelle Leben als Bauern: Gänse aufziehen, Trecker fahren, Äcker bestellen, samstags die Erzeugnisse auf dem Markt von Mont-de-Marsan verkaufen und was sonst dazugehört. Dazu sind sie aber auch das vermutlich heißeste Rock-Duo, das Frankreich aktuell zu bieten hat — Lacrouts an Mikro und Gitarre, Jourdain am Schlagzeug. Die erste Songidee wird Ziegenbock Miguel vorgeklampft, geprobt wird in irgend einem Räumchen auf ihrer Ferme “Lou Casse”, zu den Studioaufnahmen geht es auch mal in die USA, zu den schweißtreibenden Auftritten schließlich in die ganze Welt — 45 Länder wurden bisher bespielt. So in etwa darf man sich das vorstellen.
Mit ihrem mittlerweile sechsten Longplayer — und Miguel auf dem Cover — feiern die beiden nun ihr Jubiläum als Rockfarmer.

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Video zu “A Man Outstanding In His Field”

Natürlich erscheint “We The People Of The Soil” wieder auf dem eigenen Label Fuckthebassplayer Records, das ihnen größtmögliche Unabhängigkeit garantiert — ein Plattenvertrag wird schließlich kategorisch ausgeschlossen. Während sie bei “Gasconha Rocks” (2013; hier unser Review) noch alle Zügel selbst in der Hand hielten, haben sie aber schon bei “Rockfarmers” (2016; hier unser Review) zumindest das Mixing einem Externen überlassen.
Beim aktuellen Album übernimmt schließlich eben jener Externe, der Grammy-prämierte Vance Powell (White Stripes, Clutch, Wolfmother uvm.), erneut das Mixing und außerdem auch die Produktion. Dazu gibt es wieder ein Hardcover-Büchlein (24x24cm; 32 Seiten) mit den Lyrics und einigen Infos über die Rockbauern.

Aufgenommen wurden die elf Songs in Nashville, und zwar wieder analog und möglichst authentisch. Sowohl der Sound als auch die Arrangements sind dabei aber noch etwas variabler geworden. Der Opener “A Man Outstanding On His Field” groovt zunächst mit einem funky und Wah-belegten Riff, bevor er wieder immer wieder zu rauen und unbändigen Overdrive-Refrains ausbricht. Dagegen klingt “Little Girl” wie eine ganz ruhige Prärie-Ballade. “The Globalization Blues” wiederum ist ein dreckig klingender Bluesrock. Beim Song “No Deal At The Crossroads” mit Akustikgitarre und Gepfeife kommen dafür zum ersten Mal Streicher zum Einsatz. Immer wieder ist auch eine Orgel im Hintergrund zu entdecken — gespielt von Charles Treadway (“The Dynamites”), die neben anderem dafür sorgt, dass ein Americana-Lüftchen durch Südwestfrankreich weht.
Mit dem renommierten Rock-Sänger und -Gitarristen Tyler Bryant aus den USA (in “Pressure On Mada Lands”) und Marianne Dissard (in “The Best”), einer Sängerin und Filmemacherin, die ebenfalls aus der Gascogne stammt und auch schon für Calexico am Mikrofon gestanden hat, gibt es außerdem weitere musikalische Gäste.

Lacrouts und Jourdain bieten ein überaus interessantes und authentisches Gesamtpaket — auf dem Markt wie auf der Bühne. Als Selbstversorger und Globalisierungsgegner mit dem Motto “penser global, agir local” (“global denken, lokal handeln”) und Themen von Umweltverschmutzung, ländlicher Armut und Kritik an multinationalen Konzernen und Monopolisten, haben Sie außerdem immer wieder auch noch eine Botschaft.
“We The People Of The Soil” ist dabei ein weiteres Statement, aber eben auch ein abwechslungsreiches Rock-Album zum Bandjubiläum — irgendwie ihr vollständigstes, bisher.Viele weitere CD-Reviews findest Du übrigens in unserem alphabetischen Index

Über das besprochene Medium

The Inspector Cluzo
We The People Of The Soil
(Fuckthebassplayer Records / Caroline)

Über den Autor des Beitrags

Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.

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Über Gerald

Hört so ziemlich alle Genres querbeet, von Heavy bis Electro, von Folk-Pop über World und Rock bis Hip-Hop. Ehrliche, handgemachte Musik ist aber noch die beste und Radio-Rotation ist evil. Ausnahmen bestätigen die Regel.[BR] Ist zudem hauptsächlich für unsere Comic-Abteilung verantwortlich und spielt hin und wieder auch gerne mal an der (Nintendo-)Konsole.
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